Podiumsdiskussion in Lauffen am Neckar
Wie passt es zusammen, dass Unternehmen Personal abbauen und gleichzeitig vielerorts Fachkräfte fehlen? Dieser Frage widmete sich eine gut besuchte Podiumsdiskussion des Ortsverbands Neckar-Schozach am 22. Januar 2026 im Café des Hölderlin-Hauses in Lauffen. Rund 50 Gäste verfolgten die differenzierte und konstruktive Diskussion zum aktuellen Strukturwandel am Arbeitsmarkt.
Nach der Begrüßung durch den Moderator des Abends, Erwin Köhler MdL, eröffnete Dr. Sandra Detzer, wirtschaftspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, die Diskussion mit einem ersten Statement. Sie beschrieb die derzeitige Situation als einen „perfekten Sturm“, in dem klassische Standortfaktoren, technologischer Wandel – etwa durch Digitalisierung – sowie geopolitische Verwerfungen gleichzeitig auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt einwirken.
Im anschließenden Impulsvortrag ordnete Katrin von Löwenstein, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Heilbronn, die Lage aus Sicht der Arbeitsmarktverwaltung ein. Der Arbeitsmarkt habe sich in den vergangenen Jahren verfestigt und reagiere insgesamt träge auf Veränderungen. In der Region Heilbronn sei die Ausbildungssituation weiterhin gut, gleichzeitig überlagerten sich jedoch konjunkturelle und strukturelle Krisen. Baden-Württemberg sei sowohl im Bereich Künstliche Intelligenz als auch bei Start-ups gut aufgestellt. Besonders betonte sie, dass Nachhaltigkeit für viele Auszubildende ein wichtiges Kriterium bei der Berufswahl sei. Allein im vergangenen Jahr investierte der Agenturbezirk Heilbronn rund 22 Millionen Euro in Weiterbildung, von einzelnen Qualifizierungsmaßnahmen bis hin zu kompletten Ausbildungen.



Dr. Heiko Asum, CEO der FIBRO Rundtische GmbH, machte anhand konkreter Zahlen deutlich, wo die Herausforderungen für die Industrie liegen: steigende Personal- und Energiekosten sowie eine hohe Abgabenlast, durch die vom Bruttolohn wenig netto übrigbleibe. Diese Rahmenbedingungen könnten Unternehmen nicht allein verändern, hier sei politische Unterstützung notwendig.
Aus Sicht des Handwerks ergänzte Peter Haug, Geschäftsführer der Haug Solar- & Elektrotechnik GmbH, dass sich Arbeit lohnen müsse und ein Vollzeitjob für ein auskömmliches Leben reichen sollte. Gleichzeitig beobachte er bei jungen Menschen einen Wandel in der Bedeutung von Arbeit im Leben. Er verwies darauf, dass staatliche Sozialleistungen letztlich auf der Wertschöpfung der Unternehmen beruhen. Sowohl er als auch Dr. Asum nannten positive Beispiele für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Betrieben und der Agentur für Arbeit.



In der Diskussion wurde deutlich, dass die Zukunft des Arbeitsmarktes von unterschiedlichen Szenarien abhängt: von einer stärkeren Auslagerung industrieller Produktion bis hin zu einer möglichen Renaissance der Produktion in Deutschland – auch mit Blick auf geopolitische Abhängigkeiten. Einigkeit bestand darin, dass unabhängig vom eingeschlagenen Weg gute Qualifikation, lebenslanges Lernen und eine gelebte Sozialpartnerschaft in Zusammenarbeit mit der Politik zentrale Voraussetzungen für einen erfolgreichen Strukturwandel sind.
Die Veranstaltung zeichnete sich durch einen offenen, respektvollen Austausch aus: Zuhören, unterschiedliche Sichtweisen zulassen und sachlich diskutieren – ein Ansatz, der von vielen Teilnehmenden positiv hervorgehoben wurde.