Europa oder Lauffen? Wo findet die Energiewende statt?

Vortrag und Diskussion am 29.April 2024 mit Michael Joukov (MdL) und Erwin Köhler (MdL) zur Europawahl

Im Anschluss an den Besuch des Wasserkraftwerks ging es weiter mit unserer Veranstaltung zur Kommunal- und Europawahl. Unser ursprünglich geladener Gast Michael Bloss aus dem Europaparlament musste krankheitsbedingt absagen. Großer Dank gebührt Michael Joukov, Mitglied des Landtags und Kollege von Erwin Köhler, der kurzfristig einsprang und mit seinem großen Fachwissen einen großartigen und interessanten Impulsvortrag gehalten hat.

Er wies darauf hin, dass sich in Lauffen eines der frühesten Wasserkraftwerke in Baden-Württemberg befand, das elektrischen Strom produzierte. Dieser wurde nach Frankfurt am Main geliefert, wenn auch nur zeitweise und auf Probe. Weiter ging es mit der Frage: Wie viele Ulmer Münster mit Kohle vollgeschaufelt es bräuchte, um Strommenge einer Windkraftanlage wie sie im Stromberg-Heuchelberg-Gebiet geplant ist, über deren Lebenszeit zu produzieren. Wie viele kWh wären es? Es wären acht Ulmer Münster, insgesamt 1,9 Millionen Tonnen, und eine dementsprechend große Menge an CO2 würde in die Atmosphäre gelangen. Mit Braunkohle wären es sogar 30 Münster. Mit diesem Bild hat der Ulmer Abgeordnete einen deutlichen Vergleich gezogen, der noch einigen im Kopf bleiben wird.

Die Energiewende ermöglicht eine Umstellung auf Strom aus erneuerbaren Quellen, und das ohne Wohlstandverlust. Erneuerbare Energien sind aktuell die günstigste bezahlbare Alternative für die Wende. Gas bietet die Möglichkeit, Dunkelflauten zu überbrücken. Synthetische Kraftstoffe, sogenannte E-Fuels, sind für bestimmte Sonderfälle geeignet, aber nicht für den Alltag. Und Wasserstoff? Für den häuslichen Bedarf sind zwei Szenarien denkbar, von denen keines ideal ist: Entweder die Elektrolyse findet in Deutschland statt: Dafür wären Investitionen erforderlich, die sich nicht amortisieren. Oder wir importieren Wasserstoff aus dem Ausland, dann wäre der Preis für den Endverbraucher nicht mehr bezahlbar. Einfacher wäre es, Wärme zu speichern und die Energie daraus zu nutzen.

Für die Kandidat*innen des Gemeinderates und des Kreistags gab es noch etwas zum Mitnehmen – Kommunalpolitik ist nicht automatisch Bürokratie. Viele Veränderungen im Rahmen der Energiewende sind nur mit der Akzeptanz der Menschen vor Ort möglich. Maßnahmen müssen vor Ort genehmigt werden. Und 9 Jahre, bis ein Windrad in Betrieb geht, sollten nicht hingenommen werden. Das Land hat 3,5 Jahre versprochen, und diese müssen auch eingehalten werden.

Der Ortsverband, Erwin Köhler und auch Michael Joukov haben sich sehr über die Fragen und Diskussionsbeiträge gefreut. Es war ein interessanter Abend rund um die Themen Strom aus erneuerbaren Energien, E-Mobilität, Halbwahrheiten über Energiewende, Speichermöglichkeiten und Bürokratie auf kommunaler Ebene.